Ein Blick hinter die Kulissen einer Analyse

Ein Blick hinter die Kulissen einer Analyse

Wer kennt es nicht? Es will nicht so recht gruppieren, das Gefühl ist nicht super aber auch alles andere als schlecht. Rhythmus? Dream on! Nur warum?

Ja, wir alle kennen es wohl leider zur Genüge. Wenn in diesem Fall kein Trainer zur Stelle ist, muss auf andere Mittel zurückgegriffen werden für eine sinnvolle Analyse.

Generell sind hierbei die Gesamtanalyse und die Detailanalyse ein Mittel.

Die Gesamtanalyse wird meistens gemacht mit den vorhergehenden Worten „Schiess mal“ und jemand schaut sich aus einer guten Entfernung den Gesamtablauf an. Hierbei können entweder grobe Fehler erkannt oder ’seltsame‘ Dinge erahnt werden. Diese Betrachtung ist meistens der Vorläufer zur Detailanalyse in der meistens aus geringer Distanz extrem spezifisch auf ein kleines Detail geachtet wird.

Beide Analysen mit einer Person haben aber ein grosser Nachteil: Der Schütze ist sich der Beobachtung bewusst. Dies hat meistens zur Folge, dass sich das Schiessen und der Ablauf mehr oder weniger verändert.
Eine Lösung? Als Trainer kann ich aus der Ferne schauen ohne Voranmeldung. Spektiv und Feldstecher sind hier gute Mittel. Als Schütze kann ich z.B. nach einem Turnier nach Fotos suchen, die mich zeigen und dann diese analysieren. Oftmals gibt es aber leider keine Bilder oder sie zeigen nichts Auffälliges.
Manchmal aber, ja manchmal hat man Glück!

So geschah es am BVB-Internen Turnier am 5.6.2017: Nicht schlecht geschossen, aber kein Fluss und es war mir nicht wirklich wohl beim Schiessen. Warum? Keine Ahnung. Auch am Tag danach war das Gefühl ähnlich… Später war es wieder OK, aber ich wusste nicht warum. Am Samstag dann wieder ähnlich wie am Montag… Keine Ahnung… bis ich ein spezifisches Foto von Jacques sah aus dem Turnier. Hier ein Ausschnitt daraus:

Nundenn ! Analysieren wir mal!

Deutlich sieht man, dass die Zuglinie nicht sauber ausgeführt ist!
In Weiss ist die SOLL-Linie eingezeichnet: Druckpunkt –> Nocken –> Ellenbogen
In Blau IST-Linie welche ganz klar nicht genügend hoch geführt wird.

Aufauf! Testen wir diese Erkenntnis!
Da ich dieses Foto erst sah beim Verfassen des Berichtes über das Turnier, habe ich mich nochmals aufgerafft und nach dem Bericht spätabends nochmals 2 Turniere geschossen:

  • Ein Turnier ohne Beachtung der Ellenbogenhöhe
  • Ein Turnier mit starker Beachtung der Ellenbogenhöhe

 

Beide Turniere filmte ich und habe später den Rhythmus wie auch alle Treffer auf der Scheibe ausgemessen. Das Resultat ist Augen-öffnend!

Mit dem Fokus auf die korrekte Ellenbogenhöhe haben sich:

  • Die Anzahl Ausreisser um 11% verringert
  • Die verbleibenden Ausreisser waren um ca 8% weniger grob
  • Die Konstanz des Schiess-Rhythmus um 18% verbessert

 

Mit dem Fokus auf die Kraftlinie (Ellenbogenhöhe) war das Schiessgefühl wesentlich mehr kontrollierbarer und lockerer, die Schüsse kamen wann ICH es wollte.

Für mich ist es klar, dass dieser Fokus mitunter ein Schlüssel in meiner Situation ist, um konsistent Performance abliefern zu können. Die nächsten Schritte nach dieser Analyse: Ablauf-Stichwörter anpassen, verinnerlichen und automatisieren.

Ich hoffe, mit diesem Kurzbericht euch eine Methode und Ideen gegeben zu haben, wie man aus ‚unschuldigen‘ Inputs teilweise sehr wichtige Informationen herausbekommt. Dies bedarf aber teils eines beachtlichen Aufwandes (Aktives suchen, mit offenen Augen durch die Welt gehen, Um 20 Uhr nochmals 2h schiessen gehen und danach nochmals 2h ausmessen und rechnen) und dem Willen und dem Drive, sich zu verbessern. Klar ist dies nicht der Einzige Fokus von allen Schützen. Aber wenn man sich WIRKLICH verbessern will, so sind solche Inputs unerlässlich.

Jeder sollte für sich selber definieren, wie weit man gehen will um ein Ziel zu erreichen und was das Ziel überhaupt ist. Der Aufwand sollte auf dieses Ziel abgestimmt sein.

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