Auswahl eines Pfeilschaftes – Recurve

Auswahl eines Pfeilschaftes – Recurve

Sie ist da, die Zeit, korrekte und eigene Pfeile zu kaufen! Eine spannende Zeit, in welcher man doch ein Stück weit «erwachsen» wird im Bogensport.

Aber dann ist die grosse Frage, welchen Schaft man kaufen soll, damit er dann auch passt. Um diese Frage zu beantworten, möchte ich erklären, was es bei einem Schaft für Parameter gibt welche es wie zu beachten gilt:

  • Spine

Die Steifigkeit des Schaftes. So würde beispielsweise ein Pfeil mit einem Spine von 630 genau 630/1000 Inch durchhängen, wenn man ihn 28 Inch lang aufbockt und 2 Pfund dranhängt in der Mitte. Dies ist der statische Spine und NICHT der dynamische, welchen wir eigentlich genau tunen müssten da es derjenige ist, welcher beim Abschuss auch zum Tragen kommt. Der statische Spine ist aber einfach messbar und bietet eine genügend gute Korrelation um eine Auswahl zu ermöglichen.

  • Länge Schaft

Klar, dass ein langer Pfeil einfacher gebogen werden kann als ein kurzer. Hier wird vom Nockbett bis Anfang Spitze gemessen (Ende Karbon- oder Alu-Rohr)

  • Zuggewicht Bogen auf Finger

Das Zuggewicht in Pfund auf Finger im Vollauszug. Zusammen mit dem Spine und der Länge sind das die 3 Hauptfaktoren.

Beim Messen mit einer handgehaltenen Bogenwaage ist es sehr wichtig, dass die Waage auf keinen Fall verkantet wird! Selbst minime Verkantungen haben 1-2 Pfund zu wenig angezeigt zur Folge! Im Zweifelsfalle immer viele Male messen und eher einen der höheren Werte wählen.

  • Zustand Schützenform

Dieser Punkt ist etwas schwierig als Schütze selbst zu beurteilen: Wie korrekt stehe ich da? Eine noch nicht ganz ideale Form (Ausrichtung, Aufrechte Haltung, Kräftedreieck, …) hat einen kürzeren Auszug zur Folge. In solch einem Falle die Länge eher zum Maximum, welcher ein Klicker zulassen würde, setzen da sich der Schütze normalerweise eher noch etwas öffnet und der Ablass dynamischer wird. Dies hat dann wieder einen Schaft zur Folge, welcher dynamisch weicher reagiert.

  • Spitzengewicht

Ein Faktor, der bei der Auswahl ebenfalls beachtet werden sollte ist, dass nicht alle Pfeilschäfte die gleiche Auswahl an Spitzengewichten haben. Während ein X10 ohne Probleme bis 140gn bestückt werden kann, kann z.B. ein Inspire von Easton nur mit 60gn oder 75gn bestückt werden. Eine schwerere Spitze führt zu einem dynamisch weicheren Schaft.

  • Zustand Bogensetup

Da ein Satz Pfeile meistens nicht nur für eine kurze Zeit gekauft wird, sondern eine gute Zeit lang genutzt werden soll, ist es auch wichtig, dass man sich Gedanken über die zukünftige Entwicklung des Schützen und dessen Equipment macht. So wird ein eher nicht viel trainierender Schütze seinen Bogen stärker einstellen wollen wenn er mehr trainiert à dynamisch weicher reagierender Schaft.

  • Marke Bogen

Ja, die Marke des Bogens, insbesondere der Wurfarme sollte auch etwas Beachtung geschenkt bekommen. So ist normalerweise ein W&W-Setup schneller und resultiert in einem dynamisch weicher reagierenden Schaft als ein Hoyt-Setup.

Die generelle Abfolge an sich ist eigentlich sehr einfach, logisch und immer gleich:

  1. Auszugslänge messen

Dies sollte mit dem finalen Bogen und Zuggewicht passieren. Hierbei ist vom Trainer auch zu checken, wie es sich mit der Form und Körperhaltung gibt: Was für Potential in Sachen Mehrauszug ist vorhanden, wenn sich der Schütze korrekt ausrichtet?

  1. Zuggewicht messen

Mit dem Auszug nun bekannt, kann nun das Zuggewicht bei der korrekten Auszugslänge gemessen werden. Dabei ist wie gesagt zu beachten, dass beim Messen keine Verkantungen geschehen und das Zuggewicht wirklich korrekt gemessen wird. Ein kleines Verkanten hat schnell mal 1-2 lbs Fehler zur Folge, was bereits eine andere Pfeilgruppe als Resultat ausspucken kann. Das Messen ist einfacher, wenn jemand mit einem grösseren Auszug als der zu bemessende Schütze die Messung macht: Durch die Waage verlängert sich der Auszug etwas, was gegen Schluss oft eben zu Verkantungen führt.

  1. Auswahl Schaft

Mit der Auszugslänge und dem Zuggewicht bekannt, kann man in den Tabellen der Hersteller nach den korrekten Schäften suchen: Im Schnittpunkt der Auszugslänge und des Zuggewichtes stehen entweder direkt die Schäfte oder eine Schaftgruppe welche dann in einer Liste direkt in Schäfte umgelesen werden können.

Ein besser lesbares PDF ist zu finden unter https://eastonarchery.com/wp-content/uploads/2018/10/2018-Easton-TargetShaft-Selector.pdf oder mit Google «Easton Arrow selector PDF»

Dies, oder man verwendet Apps wie z.B. Arrows von Marcel van Apeldoorn(Nationalcoach Holland, Android) für eine Berechnung des genauen Spines  und Übersicht über eine grosse Anzahl von Marken auf einmal.

Beachtet, dass hier die Zusatzinformationen (Zustand Schützenform, Spitzengewicht, Bogensetup, Marke, …) einfliessen müssen: Diese genannten Faktoren sollten bei der Betrachtung der Spine-Tabellen (z.B. von Easton oder Carbon Express) beachtet werden um auch einen Schaft auszuwählen, welcher jetzt und auch in Zukunft zum Schützen passt. Oftmals stehen bei den Schäften im Katalog auch noch Inputs z.B. zum empfohlenen Spitzengewicht.

Beachtet, dass es allenfalls möglich ist, dass unter gewissen Umständen bewusst z.B. ein Spinewert neben den Empfohlenen gewählt wird. So z.B. wenn ein eher wenig trainierender Schütze mit noch nicht idealer Form und auf minimum gestellem W&W-Bogen für die etwas mehr schiessende Zukunft Schäfte will. Dort würde ich wohl 1 Spine-Wert steifer kaufen als gefordert wäre mit den reinen Daten von Länge und Zuggewicht. Denn es gibt sehr viele, teils stark einfliessende Faktoren, welche auf einen steiferen Pfeil zeigen würden, wenn sie umgesetzt werden: Längerer Auszug = Längerer Pfeil = Weicher reagierender Schaft = Härterer Schaft nötig. Mehr Training = Mehr Kraft = Stärker eingestellter Bogen = Weicher reagierender Schaft = Härterer Schaft nötig, …

Natürlich gibt es auch die Sonderfälle… So kann es sehr herausfordernd werden, wenn jemand mit sehr langem Auszug (z.B. 33 Inch) aber mit sehr wenig Pfund (z.B. 25 lbs) Pfeile will. Da würde es sehr lange Schäfte aber mit einem sehr hohen Spine benötigen. Hoher Spine = Jugendpfeile = Kurz. Auf der anderen Seite haben wir Lange Pfeile = Pfeile für hohe Pfundzahlen = Tiefer Spine. Bei solchen Situationen muss man ganz genau den Schützen betrachten und allfällige Optionen im Bereich Zuggewicht ausloten. Ist dies nicht erfolgreich, so muss man allenfalls zu etwas exotischeren Schäften greifen…

Sind die Schäfte erstmals ausgewählt, so geht es dann an die Herstellung der Pfeile und ans Pfeiltuning (Siehe http://bv-bern.ch/bvb/pfeiltuning).

 

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